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Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen
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Claudia Schröder

Systemische Organisations­entwicklerin, Beraterin, Trainerin und Coach mit über 15 Jahren Erfahrung als Unternehmerin und CFO.
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KI braucht Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kom­pe­tenz

Wie wir in den bereits vor­an gegan­ge­nen Blog­bei­trä­gen gezeigt haben, ist die Ein­füh­rung und Nut­zung von KI weit mehr als die eines Tools. Betrach­ten wir sie im Sin­ne einer sozi­al-kom­mu­ni­ka­ti­ven Rol­le (vgl. Blog­bei­trag „KI-Nut­zungs­stu­fen in Orga­ni­sa­tio­nen“ vom 6. Febru­ar 2026), wird deut­lich, ihr Nut­zen hängt von eta­blier­ten Lern­pro­zes­sen und ‑struk­tu­ren einer Orga­ni­sa­ti­on sowie von den kom­mu­ni­ka­ti­ven Fer­tig­kei­ten der Mit­ar­bei­ten­den ab.

Ein Blick in die Unter­neh­mens­rea­li­tät

Doch wie steht es um orga­ni­sa­tio­nal ver­an­ker­te Lern­pro­zes­se und ‑metho­den? Belast­ba­re wis­sen­schaft­li­che Zah­len las­sen sich für Deutsch­land schwer fin­den – zumal vie­le Erhe­bun­gen auf Selbst­be­schrei­bun­gen beru­hen. Mei­ne erfah­rungs­ba­sier­ten Beob­ach­tun­gen aus 25 Jah­ren Bera­tungs­er­fah­rung mit Schwer­punkt KMU zeich­nen ein nüch­ter­nes Bild:

  • Vie­le ken­nen die Begrif­fe Feed­back und Lern­schlei­fen.
  • Man­che ken­nen Retro­spek­ti­ven.
  • Vie­le Mit­ar­bei­ten­de haben Feed­back-Schu­lun­gen besucht – wen­den das Gelern­te jedoch wenig bis kaum an.
  • Weni­ge Orga­ni­sa­tio­nen leben eine eta­blier­te Feed­back-Kul­tur und ver­fü­gen über ein aus­rei­chend psy­cho­lo­gisch siche­res Lern­um­feld.
  • In den letz­ten zwei bis drei Jah­ren beob­ach­te ich eine Zunah­me von Feed­back, Retro­spek­ti­ven, Lern­zy­klen etc.

Wir wis­sen, dass agi­le oder auch selbst orga­ni­sier­te Unter­neh­men i.d.R. über Lern­struk­tu­ren wie bei­spiels­wei­se Ite­ra­tio­nen, Retro­spek­ti­ven, Feed­back­zy­klen, kom­mu­ni­ka­ti­ve Grund­fer­tig­kei­ten bei Mit­ar­bei­ten­den, mode­rier­te Arbeits­tref­fen, trans­pa­ren­te Rol­len­mo­del­le, dia­lo­gi­sche Ent­schei­dungs­ver­fah­ren usw. ver­fü­gen. Doch das blo­ße Vor­han­den­sein sol­cher For­ma­te sagt wenig über deren Qua­li­tät aus – ent­schei­dend ist die Pra­xis.

Empi­risch lässt sich dage­gen bele­gen (Wan­da J. Orli­kow­ski – Stich­wort Prac­ti­ce Lens), dass Tech­no­lo­gie sozia­le Inter­ak­tio­nen ver­än­dert. Die orga­ni­sa­tio­na­le Lern­fä­hig­keit beein­flusst wie­der­um den Umgang mit Tech­no­lo­gie, ins­be­son­de­re wie neue Impul­se inte­griert wer­den sol­len.

KI als nicht-mensch­li­che kom­mu­ni­ka­ti­ve Rol­le betritt die Büh­ne

Mit KI betritt erst­mals eine nicht-mensch­li­che kom­mu­ni­ka­ti­ve Rol­le die orga­ni­sa­tio­na­le Büh­ne. Sie wirkt in Kom­mu­ni­ka­tio­nen, Ent­schei­dun­gen und Ver­ant­wort­lich­kei­ten mit. Die Ein­füh­rung und Art und Wei­se der Nut­zung macht bestehen­de Defi­zi­te der Lern- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren deut­lich. Schon allein ihr Ant­wort­tem­po (dem wir mensch­lich rein gar nichts ent­ge­gen­set­zen kön­nen),  löst zahl­rei­che Dyna­mi­ken bei uns aus. Kon­troll­ver­lust­ge­füh­le, Unsi­cher­heit, Über­for­de­rung, Kom­pe­tenz­ver­un­si­che­rung, Sta­tus­be­dro­hung etc. sind an der Tages­ord­nung.

In einer funk­tio­nie­ren­den psy­cho­lo­gisch siche­ren Lern­um­ge­bung mit eta­blier­ten Lern­struk­tu­ren, ‑pro­zes­sen und ein­ge­üb­ten kom­mu­ni­ka­ti­ven Metho­den, las­sen sich sol­che Dyna­mi­ken und Span­nun­gen sicht­bar machen und kon­struk­tiv lösen. Kon­ti­nu­ier­li­ches Reflek­tie­ren ermög­licht, die Meta­ebe­ne zur Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­zu­neh­men und zu ler­nen. Doch was geschieht in Unter­neh­men, denen die­se Vor­aus­set­zun­gen und Fähig­kei­ten feh­len?

Wer nie gelernt hat, emp­fän­ger­ori­en­tiert zu kom­mu­ni­zie­ren oder Miss­ver­ständ­nis­se und Span­nun­gen eigen­ver­ant­wort­lich zu klä­ren, hat es schwer, mit einer nicht-mensch­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­rol­le rich­tungs­wei­send umzu­ge­hen, aus die­sem Umgang ver­tieft zu ler­nen oder die Erkennt­nis­se in die Orga­ni­sa­ti­on zu trans­fe­rie­ren.

Meta­kom­mu­ni­ka­ti­on wird zur Schlüs­sel­kom­pe­tenz

Dazu benö­ti­gen wir die Fähig­keit und Fer­tig­keit, die Meta­ebe­ne zur Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­zu­neh­men:

  • Wie kom­mu­ni­zie­ren wir mit­ein­an­der?
  • Wel­che Akteur:innen und Rol­len tra­gen zum Kon­text bei?
  • Wel­che davon sind mensch­lich und wel­che nicht?
  • Wel­che Rol­len, Funk­tio­nen, Auf­ga­ben haben sie?
  • Wie tra­gen sie zu den Ergeb­nis­sen (sie­he Stu­fen­mo­dell) bei?
  • Wie unter­stüt­zen sie ggf. auf der Pro­zess­ebe­ne etc.

Die­se Unter­schei­dun­gen im täg­li­chen Arbei­ten zusätz­lich zu bespre­chen, ist nicht selbst­ver­ständ­lich und muss erst ein­mal erprobt wer­den. Ohne die­se Dif­fe­ren­zie­rungs­fä­hig­kei­ten ver­schwim­men sonst Ver­ant­wort­lich­kei­ten, Erwar­tungs­hal­tun­gen und das gemein­sa­me Ver­ständ­nis.

KI als Beschleu­ni­ger orga­ni­sa­tio­na­ler Lern­pro­zes­se

Die Ein­füh­rung von KI – unab­hän­gig von ihrer jewei­li­gen Nut­zungs­stu­fe (vgl. Gra­fik) for­dert in einer bis­her unge­kann­ten Dyna­mik Orga­ni­sa­tio­nen und deren Mit­ar­bei­ten­den. In Umfel­dern, wo Lern­pro­zes­se, – struk­tu­ren und indi­vi­du­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Refle­xi­ons­fer­tig­kei­ten feh­len, ver­stärkt KI vor­han­de­ne Dys­ba­lan­cen. Möch­ten wir KI sinn­voll und ver­ant­wor­tungs­voll nut­zen, müs­sen wir uns als ler­nen­de Orga­ni­sa­ti­on auf die­se neue kom­mu­ni­ka­ti­ve Rol­le aus­rich­ten. Andern­falls blei­ben die ent­ste­hen­den Impul­se ober­fläch­lich und nicht inno­vie­rend.

P.S.: Wir bie­ten (zumin­dest für mensch­li­che Akteu­rin­nen) klei­ne Mikro-Trai­nings “Kom­mu­ni­ka­ti­ve Grund­fer­tig­kei­ten” zur Ein­füh­rung einer Feed­back-Kul­tur sowie Psy­cho­lo­gi­scher Sicher­heit https://kollegiale-fuehrung.de/veranstaltung/kgf/ an.

P.P.S.: Kom­mu­ni­ka­ti­ve Grund­fer­tig­kei­ten zu beherr­schen macht in allen Unter­neh­men Sinn – mit oder ohne KI 😉.

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