Werkstatt für kollegiale Führung
Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen

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Bernd Oestereich

Impulsgeber für kollegial geführte Organi­sationen mit Erfahrung als Unternehmer seit 1998. Sprecher und Autor inter­national verlegter Bücher.
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Was Lern­rei­sen zur Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung leis­ten kön­nen und was nicht.

Erst das Wozu, dann – viel­leicht – die Lern­rei­se

Eine typi­sche Anfra­ge

Die Geschäfts­lei­tung einer Orga­ni­sa­ti­on mit eini­gen hun­dert Mit­ar­bei­ten­den plant eine Lern­rei­se: fünf halb­tä­gi­ge Ver­an­stal­tun­gen, exter­ne Inputs zu ver­schie­de­nen Füh­rungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­mo­del­len, Berich­te aus Orga­ni­sa­tio­nen, die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­führt haben. Am Ende soll die Geschäfts­lei­tung ein bes­se­res Bild davon haben, wel­che Model­le es gibt, wel­che Erfah­run­gen ande­re damit machen und was davon zur eige­nen Orga­ni­sa­ti­on pas­sen könn­te. Danach soll ent­schie­den wer­den, wie es wei­ter­geht.

Die Anfra­ge klingt ver­nünf­tig. Wer eine weit­rei­chen­de Ver­än­de­rung erwägt, will sich vor­her ori­en­tie­ren, aus den Feh­lern ande­rer ler­nen und das Risi­ko klein hal­ten. Trotz­dem sagen wir sol­che Anfra­gen regel­mä­ßig ab. Wir bie­ten kei­ne Lern­rei­sen an und neh­men auch nicht als Input-Geben­de dar­an teil, weil wir bis­lang nicht gese­hen haben, dass damit die wirk­lich rele­van­ten Fra­gen beant­wor­tet wer­den. Die­ser Arti­kel begrün­det das und beschreibt, was Lern­rei­sen unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen trotz­dem leis­ten kön­nen.

 

Was eine Lern­rei­se ver­spricht

Die Erwar­tun­gen an eine Lern­rei­se sind meist eine Mischung aus vier Anlie­gen:

  • Ori­en­tie­rung gewin­nen, ohne sich schon fest­zu­le­gen.
  • Aus frem­den Feh­lern ler­nen, statt eige­ne zu machen.
  • Im Füh­rungs­kreis eine inne­re Bereit­schaft ent­ste­hen las­sen, sich auf etwas Neu­es ein­zu­las­sen.
  • Und das Risi­ko einer Fehl­ent­schei­dung sen­ken, indem man vor­her genau hin­schaut.


Alle vier Anlie­gen sind legi­tim. Die Fra­ge ist, ob eine Lern­rei­se das geeig­ne­te Mit­tel dafür ist. Unse­re Erfah­rung nach: für das ers­te Anlie­gen teil­wei­se, für die ande­ren drei weni­ger.

 

Zuerst: Wozu eigent­lich?

Jede Ver­än­de­rung der Füh­rungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur kos­tet Kraft, erzeugt Unru­he und bringt neue grup­pen­dy­na­mi­sche Situa­tio­nen her­vor. Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung kommt bei allen Betei­lig­ten zur nor­ma­len Arbeit oben­drauf, und die nor­ma­le Arbeit wird zu Recht bevor­zugt, denn sie dient dem eigen­ti­chen Zweck der Orga­ni­sa­ti­on. Es braucht also einen Grund, der den Auf­wand recht­fer­tigt.

Die­ses Wozu ist auch der Maß­stab, an dem sich alles Gese­he­ne einer Lern­rei­se bewer­ten lie­ße. Ohne geklär­tes eige­nes Wozu ist die Fra­ge „Was davon passt zu uns?” unbe­ant­wort­bar. Man sam­melt dann Ant­wor­ten auf Fra­gen, die man nie gestellt hat.

Eine Lern­rei­se beant­wor­tet die Wozu-Fra­ge nicht, sie setzt sie vor­aus. Die Rei­hen­fol­ge ist ent­schei­dend und nach einer Wil­lens­bil­dung kann eine Lern­rei­se eine sinn­vol­le Ergän­zung sein. Vor der Wil­lens­bil­dung wird sie leicht zur Ersatz­hand­lung, die Beschäf­ti­gung erzeugt und die eigent­li­che Aus­ein­an­der­set­zung auf­schiebt.

 

Vier Grün­de, war­um Lern­rei­sen weni­ger hal­ten, als sie ver­spre­chen

 

1. Die Aus­gangs­la­gen sind nicht ver­gleich­bar

Die Anläs­se, aus denen Orga­ni­sa­tio­nen kol­le­gia­le Füh­rung oder Selbst­or­ga­ni­sa­ti­ons­prin­zi­pi­en ein­füh­ren, sind extrem unter­schied­lich: eine anste­hen­de Inha­ber- oder Füh­rungs­nach­fol­ge, eine plötz­li­che Vakanz als Gele­gen­heit, Über­las­tung der Füh­rungs­kräf­te, Unzu­frie­den­heit mit ihnen, zu viel Selbst­be­schäf­ti­gung oder Büro­kra­tie, Inef­fek­ti­vi­tät, der Wunsch, ein attrak­ti­ve­rer Arbeit­ge­ber zu wer­den, eine inhalt­lich-fach­li­che Restruk­tu­rie­rung, Her­aus­for­de­run­gen durch KI oder die Hoff­nung, vor­han­de­ne Kon­flik­te damit zu klä­ren.

Mit dem Anlass ändert sich der gan­ze Weg. Bei einer Inha­ber­nach­fol­ge müs­sen Unter­neh­mens­an­tei­le über­tra­gen wer­den, es kom­men finan­zi­el­le und juris­ti­sche Fra­gen dazu. Eine Frei­wil­li­gen­or­ga­ni­sa­ti­on, die kaum mit Wei­sun­gen arbei­ten kann, hat wie­der völ­lig ande­re Aus­gangs­be­din­gun­gen. Was eine Orga­ni­sa­ti­on aus ihrem Anlass her­aus getan hat, sagt wenig dar­über aus, was eine ande­re aus einem ande­ren Anlass her­aus tun soll­te.

Dazu kom­men die unter­schied­li­chen Kul­tu­ren von Orga­ni­sa­tio­nen, die die tat­säch­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung stär­ker prä­gen, als jedes Modell. Zwei Orga­ni­sa­tio­nen kön­nen die­sel­ben Struk­tu­ren ein­füh­ren und völ­lig unter­schied­li­che Ergeb­nis­se erzie­len, weil His­to­rie, Umgangs­for­men, Ver­trau­ens­ni­veau und unge­schrie­be­ne Regeln ande­re sind.

Schließ­lich unter­schei­den sich die wirt­schaft­li­chen und zeit­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen: Grö­ße, Rechts­form, Markt­druck, ver­füg­ba­re Mit­tel, Rei­fe­grad. Bei Lern­rei­sen besucht man Orga­ni­sa­tio­nen in ganz unter­schied­li­chen Ent­wick­lungs­pha­sen und ver­gleicht sie mit­ein­an­der und mit der eige­nen Situa­ti­on. Man besucht als weni­ger rei­fe Orga­ni­sa­ti­on eine rei­fe­re und schätzt die eige­nen Mög­lich­kei­ten zu opti­mis­tisch ein. Belast­bar ist so ein Ver­gleich sel­ten.

 

2. Man sieht Ergeb­nis­se, nicht Ent­ste­hungs­we­ge

Was sich bei einem Besuch zei­gen lässt, sind sicht­ba­re Resul­ta­te wie das Kreis­mo­dell, die Rol­len­lis­ten, die Boards, die Ent­schei­dungs­for­ma­te und Erfah­rungs­be­rich­te dazu. Das lässt sich in einer Stun­de prä­sen­tie­ren. Die zwei, drei Jah­re Aus­hand­lung, die Rück­schrit­te, die Kon­flik­te und vor allem die vie­len klei­nen kul­tur­bil­den­den Momen­te dahin­ter kom­men zu kurz.

Hin­zu kommt, dass Berich­te sub­jek­ti­ve und von Eigen­in­ter­es­sen gelei­te­te Selbst­be­schrei­bun­gen sind. Die berich­ten­den Per­so­nen haben blin­de Fle­cken, denn nicht alles in einer Orga­ni­sa­ti­on ist aus­rei­chend reflek­tiert. Sie haben eine sehr eige­ne Per­spek­ti­ve, ande­re Mit­glie­der der­sel­ben Orga­ni­sa­ti­on wür­den ande­res erzäh­len. Und sie haben ein nach­voll­zieh­ba­res Inter­es­se an einer bestimm­ten Geschich­te, denn wer Besuch emp­fängt, steht auch als Per­son für die getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen ein. Die eigent­li­chen Fall­stri­cke blei­ben regel­mä­ßig ver­bor­gen. Ver­schärft wird das durch die Aus­wahl. Als Gast­ge­ben­de ste­hen oft sol­che Orga­ni­sa­tio­nen zur Ver­fü­gung, bei denen es aus eige­ner Sicht gut läuft. Wer wie­der auf­ge­hört hat, lädt sel­ten ein, obwohl gera­de die­se Fäl­le die lehr­reichs­ten wären.

 

3. Ohne Beur­tei­lungs­kom­pe­tenz füh­ren Besu­che in die Irre

In den meis­ten Füh­rungs­krei­sen fehlt in der Brei­te die Erfah­rung mit Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung und mit den Model­len, um die es geht. Wem die­se Kom­pe­tenz fehlt, der kann die Bei­spie­le einer Lern­rei­se nicht kri­tisch beur­tei­len, stellt die fal­schen Fra­gen, hält Neben­säch­li­ches für zen­tral und über­sieht das Ent­schei­den­de.

Auch wir als erfah­re­ne Beglei­te­rin­nen brau­chen Zeit, um zu ver­ste­hen, wo die Pro­ble­me einer Orga­ni­sa­ti­on tat­säch­lich lie­gen, wenn sie uns nach eige­nen Ein­füh­rungs­ver­su­chen zu Hil­fe ruft. Mit einem kur­zen Besuch ist das auch für Fach­leu­te eine Her­aus­for­de­rung. Für Per­so­nen ohne fach­li­chen Hin­ter­grund ist es unwahr­schein­lich.

 

4. Die ent­schei­den­den The­men lie­gen im eige­nen Haus

Die Fak­to­ren, die das Gelin­gen oder Schei­tern wirk­lich beein­flus­sen, sind Macht, per­sön­li­che Zie­le in der Orga­ni­sa­ti­on, unter­neh­mens­po­li­ti­sche Spiel­räu­me, Befind­lich­kei­ten zwi­schen Men­schen, His­to­rie, unge­lös­te Kon­flik­te, Angst vor Sta­tus­ver­lust usw. Was macht die Ver­än­de­rung mit mir? Was sagt es über mich, wenn mein Bereich nach ande­ren Prin­zi­pi­en geführt wer­den soll oder will?

Eine Lern­rei­se bear­bei­tet nichts davon, denn der Blick rich­tet sich auf ande­re Orga­ni­sa­tio­nen. Die eige­nen The­men blei­ben unbe­rührt, wir­ken trotz­dem und jede betei­lig­te Per­son schaut aus ihrer Per­spek­ti­ve und mit ihren Inter­es­sen auf das Gese­he­ne und deu­tet es ent­spre­chend. Die­se Deu­tun­gen müs­sen nicht im Inter­es­se der Orga­ni­sa­ti­on lie­gen. Ohne einen expli­zi­ten Aus­wer­tungs­schritt ver­stärkt eine Lern­rei­se des­halb die vor­han­de­nen Posi­tio­nen im Füh­rungs­kreis, statt sie zu bewe­gen. Wer skep­tisch ist, fin­det in jedem Besuch Bele­ge für die Skep­sis. Wer begeis­tert ist, eben­so für die Begeis­te­rung.

 

Was rea­lis­tisch her­aus­kommt und was nicht

Mit einer Lern­rei­se lässt sich ent­de­cken, dass etwas über­haupt funk­tio­niert, lie­fert aber kaum eine Ent­schei­dungs­grund­la­ge für den eige­nen Weg. Im Füh­rungs­kreis kann ein gemein­sa­mes Voka­bu­lar ent­ste­hen, ohne das jede selbst die dahin­ter­ste­hen­den Model­le stu­diert haben muss. Wenn offen dar­über gespro­chen wird, kön­nen rea­lis­ti­sche Erwar­tun­gen an Dau­er und inter­nen Auf­wand dar­aus erwach­sen – für eine Blau­pau­se oder belast­ba­re Risi­ko­ein­schät­zung reicht es nicht.

 

Die Risi­ken

  • Schein­klar­heit. Sich Bei­spie­le anzu­schau­en, kann sich wie Ver­ste­hen anfüh­len. Nach fünf Besu­chen ent­schei­det ein Füh­rungs­kreis mit gestie­ge­ner gefühl­ter Sicher­heit, aber auf unver­än­der­ter Grund­la­ge. Das kann gefähr­li­cher als ein­ge­stan­de­nes Nicht­wis­sen sein, weil die Bereit­schaft sinkt, die eige­nen Annah­men kri­tisch zu hin­ter­fra­gen.
  • Unbrauch­ba­re Mus­ter. Sicht­ba­re Struk­tu­ren wer­den über­nom­men, ohne die Wirk­zu­sam­men­hän­ge zu ver­ste­hen, aus denen sie ent­stan­den sind. Das erzeugt Auf­wand ohne Nut­zen und dis­kre­di­tiert anschlie­ßend das ein­zu­füh­ren­de Modell.
  • Erwar­tungs­auf­bau ohne Fol­ge­ent­schei­dung. Eine Lern­rei­se der Geschäfts­lei­tung bleibt in der Orga­ni­sa­ti­on nicht unbe­merkt. Folgt dar­auf kei­ne erkenn­ba­re Ent­schei­dung, ent­steht mög­li­cher­wei­se Zynis­mus und das The­ma ist für Jah­re ver­brannt.
  • Ver­zö­ge­rung und Ver­schwen­dung. Die Lern­rei­se kann zur legi­ti­mier­ten Form wer­den, eine anste­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung oder Grund­satz­ent­schei­dung zu ver­ta­gen. Sie sieht nach Arbeit am The­ma aus und ist doch vor allem Arbeit neben dem The­ma. Es wer­den Res­sour­cen ver­braucht, die anders wir­kungs­vol­ler genutzt wer­den könn­ten.
  • Kura­tie­rungs­ab­hän­gig­keit. Wer die Rei­se zusam­men­stellt, wählt Orga­ni­sa­tio­nen, Per­so­nen und Fra­ge­stel­lun­gen aus und beein­flusst damit auch maß­geb­lich, was gelernt wird.

 

Wenn schon Lern­rei­se, dann so

Wer trotz allem eine Lern­rei­se durch­füh­ren will, kann ihren Nut­zen mit eini­gen Vor­aus­set­zun­gen deut­lich erhö­hen:

  • Arbeits­hy­po­the­se vor­her fixie­ren. Schrift­lich fest­hal­ten, wel­ches Pro­blem die eige­ne Orga­ni­sa­ti­on ver­mut­lich hat und was sich ver­bes­sern soll. Ohne die­sen Maß­stab lässt sich das Gese­he­ne nicht bewer­ten.
  • Beur­tei­lungs­kom­pe­tenz auf­bau­en. Min­des­tens zwei Per­so­nen vor­her fun­diert qua­li­fi­zie­ren. Sie kön­nen dann im Füh­rungs­kreis die kri­ti­schen Fra­gen stel­len, die sonst nie­mand stellt.
  • Fes­tes Fra­gen­ge­rüst und kla­re Rol­len­ver­tei­lung. Alle Besu­che ent­lang der­sel­ben Fra­gen füh­ren, sonst gibt es kei­ne Ver­gleich­bar­keit. Dazu gehö­ren unbe­que­me Fra­gen: Was hat nicht funk­tio­niert? Was wür­det ihr heu­te anders machen? Wer hat die Orga­ni­sa­ti­on des­we­gen ver­las­sen? Dabei hilft auch eine struk­tu­rier­te Rol­len­ver­tei­lung: Wer über­nimmt und ver­ant­wor­tet wel­che Aspek­te und Fra­gen?
  • Aus­wahl nach Pas­sung, nicht nach Ver­füg­bar­keit. Orga­ni­sa­tio­nen suchen, deren Anlass und Rah­men­be­din­gun­gen der eige­nen Lage ähneln. Bewusst auch sol­che ein­la­den, die zurück­ge­ru­dert sind oder auf­ge­hört haben.
  • Meh­re­re Ebe­nen befra­gen. Nicht nur mit der Lei­tung spre­chen, son­dern auch mit Men­schen aus der ope­ra­ti­ven Arbeit. Die Dif­fe­renz zwi­schen den Erzäh­lun­gen ist oft die wert­volls­te Infor­ma­ti­on.
  • Aus­wer­tung als eige­ner Arbeits­schritt. Nach jedem Besuch ist her­aus­zu­ar­bei­ten: Was heißt das für uns? Was gilt bei uns anders? Und mit Selbst­be­zug: Wer bei uns gewinnt, wer ver­liert, wenn wir so etwas tun?
  • Ent­schei­dung vor­ab defi­nie­ren. Vor Beginn fest­le­gen, wel­che Ent­schei­dung am Ende der Rei­se ansteht und wer sie trifft. Eine Lern­rei­se ohne defi­nier­ten Ent­schei­dungs­punkt ist Unter­hal­tung.
  • Par­al­lel erpro­ben. Min­des­tens einen klei­nen, ech­ten Pilo­ten im eige­nen Haus fah­ren. Die eige­nen Erfah­run­gen machen die frem­den Berich­te erst prüf­bar.

 

Was statt­des­sen wirkt

Erkennt­nis über die eige­ne Orga­ni­sa­ti­on ent­steht im Erpro­ben, nicht im Zuschau­en. Ein klei­ner Pilot mit einer gewis­sen­haf­ten Retro­spek­ti­ve lie­fert mehr belast­ba­res Wis­sen, als fünf Besu­che bei ande­ren. Das ent­spricht dem Prin­zip des schritt­wei­sen ler­nen­den Erpro­bens: etwas aus­pro­bie­ren, Erfah­run­gen sam­meln, gemein­sam bewer­ten, wei­ter­ma­chen oder anpas­sen. Und dies ist bei uns, also im Modell der Kol­le­gia­len Füh­rung, inte­gra­ler Bestand­teil – genau­so ver­su­chen wir immer vor­zu­ge­hen.

Für die Pha­se davor, in der ein Füh­rungs­kreis erst her­aus­fin­den will, ob und wozu er sich über­haupt auf den Weg machen soll oder ob es mög­li­cher­wei­se etwas ganz ande­res braucht, haben wir einen Ori­en­tie­rungs­work­shop kon­zi­piert, den wir Lern­rei­sen vor­zie­hen. In zwei hal­ben Tagen (mit einer Nacht dazwi­schen) bear­bei­tet der Füh­rungs­kreis: Wozu soll die Ver­än­de­rung gut sein? Wor­an lie­ße sich hin­ter­her fest­stel­len, dass sich etwas ver­bes­sert hat? Wel­che Mög­lich­kei­ten bie­tet das Modell (bspw. der kol­le­gia­len Füh­rung) in die­sem kon­kre­ten Kon­text? Dar­auf auf­bau­end erge­ben sich dann Klä­run­gen zu mög­li­chen Vor­ge­hens­wei­sen, zu nächs­ten Schrit­ten, zum Zeit­ho­ri­zont, zu rea­lis­ti­schen Ergeb­nis­se, Gesamt­kos­ten, inter­nen Auf­wand und Risi­ken.

Am Ende kön­nen die Betei­lig­ten eine kom­pe­ten­te­re Ent­schei­dung dar­über tref­fen, ob und was sie tun wol­len. Auch die Ent­schei­dung dage­gen ist ein gutes Ergeb­nis. Es kommt regel­mä­ßig vor, dass wir in einem sol­chen Work­shop selbst davon abra­ten, weil das eigent­li­che Pro­blem ein ande­res ist.

Statt einer Rund­rei­se durch meh­re­re Orga­ni­sa­tio­nen genü­gen außer­dem oft ein oder zwei geziel­te Ein­zel­ge­sprä­che mit Prak­ti­ke­rin­nen und Prak­ti­kern, deren Aus­gangs­la­ge der eige­nen wirk­lich ähnelt, geführt ent­lang der eige­nen, vor­her geklär­ten Fra­gen.

 

Selbst­prü­fungs­fra­gen für den Füh­rungs­kreis

Wer eine Lern­rei­se erwägt, kann sich vor­her die­se Fra­gen stel­len:

  • Was genau ist unser Pro­blem? Kön­nen wir es in zwei Sät­zen auf­schrei­ben, ohne das Wort „irgend­wie” zu ver­wen­den?
  • Wor­an wür­den wir in zwei Jah­ren mer­ken, dass es bes­ser gewor­den ist?
  • Wer von uns könn­te die Bei­spie­le, die wir sehen wer­den, fach­lich kri­tisch beur­tei­len?
  • Wer bei uns gewinnt, wer ver­liert etwas, wenn sich die Füh­rung ver­än­dert? Reden wir dar­über offen?
  • Wel­che Ent­schei­dung tref­fen wir am Ende der Rei­se und wer trifft sie?
  • Was davon könn­ten wir auch klä­ren, indem wir im Klei­nen selbst etwas erpro­ben?
  • Wenn die Ant­wor­ten auf die ers­ten bei­den Fra­gen feh­len, ist nicht die Lern­rei­se der nächs­te Schritt, son­dern die Klä­rung des Wozu.

 

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