Werkstatt für kollegiale Führung
Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen

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Bernd Oestereich

Impulsgeber für kollegial geführte Organi­sationen mit Erfahrung als Unternehmer seit 1998. Sprecher und Autor inter­national verlegter Bücher.
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Erklär­film: Wie funk­tio­niert eigent­lich ein KI-Sys­­tem?

In die­sem kur­zen Film erklä­re ich, wie ein KI-Sys­tem prin­zi­pi­ell funk­tio­niert (Modell, KI-Sys­tem, Kon­text­fens­ter, Anwen­dungs­ge­dächt­nis, RAG, Agen­ten, Kon­nek­to­ren, Orches­trie­rung etc.).

Tran­skript

Herz­lich will­kom­men, mein Name ist Bernd Oes­te­reich und im fol­gen­den erklä­re ich, wie ein KI-Sys­tem eigent­lich funk­tio­niert. Zumin­dest zum Stand vom August 2026.

Begin­nen wir bei den Model­len. Bekann­te Anbie­te­rIn­nen von Sprach­mo­del­len sind Ope­nAI, Anthro­pic und Goog­le. Die­se bie­ten oft unter­schied­li­che Sprach­mo­del­le mit unter­schied­li­chen Fähig­kei­ten und Stär­ken an. Die Anbie­te­rIn­nen haben die­se Model­le gebaut und trai­niert und hos­ten die­se in einer von ihnen kon­trol­lier­ten Ser­ver­in­fra­struk­tur.

Anwen­de­rIn­nen benut­zen die­se Model­le über Ein- und Aus­ga­be­fens­ter, wobei die Anwen­de­rIn­nen gar nicht direkt mit dem Modell arbei­ten, son­dern in der Regel mit einem drum­her­um gebau­ten KI-Sys­tem, das die bis­he­ri­gen Ein- und Aus­ga­ben als Chat sam­melt und die Ein­ga­ben mit wei­te­ren Infor­ma­tio­nen anrei­chert und ein soge­nann­tes Kon­text­fens­ter pflegt.

Im Kon­text­fens­ter befin­den sich neben dem von den Anwen­dern gesteu­er­ten Chat­ver­lauf noch vie­le wei­te­re Infor­ma­tio­nen, die wir uns nun näher anse­hen.

Eine aus Benut­zungs­sicht wich­ti­ge Funk­ti­on ist die Mög­lich­keit, eige­ne Datei­en als benut­zer­de­fi­nier­te Kon­text­da­ten hoch­zu­la­den. Die Model­le sind mit einem gro­ßen Teil des digi­tal ver­füg­ba­ren Welt­wis­sens trai­niert und die­ses Wis­sen endet an einem bestimm­ten Stich­tag. Aktu­el­le, vor allem aber spe­zi­el­le Infor­ma­tio­nen, bei­spiels­wei­se per­sön­li­che oder orga­ni­sa­ti­ons­spe­zi­fi­sche Doku­men­te und Daten, sind nor­ma­ler­wei­se kein Teil des trai­nier­ten Wis­sens.

Damit das Sprach­mo­dell mit die­sen nut­zungs­spe­zi­fi­schen Daten arbei­ten kann, müs­sen sie Teil des Kon­text­fens­ters wer­den. Außer­dem ist es üblich, wie­der­zu­ver­wen­den­de Ein­ga­ben sepa­rat abzu­le­gen. Die­se wer­den dann nur bedarfs­wei­se dazu­ge­la­den, bei­spiels­wei­se um eine spe­zi­el­le fach­li­che Exper­ti­se ein­zu­neh­men, ein bestimm­tes Modell­ver­hal­ten anzu­for­dern oder eine bestimm­te Spra­che oder Stil zu beschrei­ben. In Clau­de wer­den die wie­der­ver­wend­ba­ren Skills genannt, in Chat-GPT gibt es Cus­tom-GPTs und in Gemi­ni hei­ßen sie Gems.

Außer­dem pfle­gen vie­le KI-Sys­te­me ein eige­nes Anwen­dungs­ge­dächt­nis. Das heißt, sie mer­ken sich bestimm­te Wün­sche, Prä­fe­ren­zen, Gewohn­hei­ten, die sie aus dem Chat­ver­lauf und ande­ren Ele­men­ten des Kon­text­fens­ters her­aus­le­sen, um spe­zi­fi­scher und effi­zi­en­ter Ant­wor­ten lie­fern zu kön­nen. Sol­che KI-Sys­te­me haben auch Mecha­nis­men, die­ses Anwen­dungs­ge­dächt­nis zu pfle­gen, also bei­spiels­wei­se auf- und umzu­räu­men. Teil­wei­se sind die­se Anwen­dungs­ge­dächt­nis­se auch ein­seh­bar und benut­zer­pfleg­bar.

Was auch im Kon­text­fens­ter liegt, sind Sys­tem­vor­ga­ben und Ver­ar­bei­tungs­stra­te­gien. Die­se wer­den größ­ten­teils von den Modell­an­bie­tern vor­ge­ge­ben. Sie beschrei­ben damit bei­spiels­wei­se, wie Ein­ga­ben ver­ar­bei­tet wer­den sol­len oder wel­che Ein- und Aus­ga­ben unzu­läs­sig sind. Die­se Ele­men­te sind von gro­ßer Bedeu­tung für die Qua­li­tät, denn bei­spiels­wei­se kön­nen Kon­fa­bu­la­tio­nen, also soge­nann­te Hal­lu­zi­na­tio­nen, mini­miert wer­den, wenn in der Ant­wort vor­ge­se­he­ne Quel­len­an­ga­ben noch­mal in einem Extra­ver­ar­bei­tungs­schritt gegen­ge­prüft wer­den oder ähn­li­ches.

Bevor wir zur nächs­ten Erklä­rung kom­men, brau­chen wir eine wei­te­re Unter­schei­dung. Wir unter­schei­den Modell­an­bie­ter wie Betrei­be­rIn­nen. Auch in der EU-Gesetz­ge­bung, dem EU-AI-Act, exis­tiert die­se Unter­schei­dung. Anbie­te­rIn­nen sind Fir­men wie Goog­le, Ope­nAI und Anthro­pic, die die­se Model­le trai­nie­ren und zur Nut­zung anbie­ten. Betrei­be­rIn­nen sind Orga­ni­sa­tio­nen und Per­so­nen, die die­se Model­le für sich nut­zen. Wenn in dei­nem Unter­neh­men KI genutzt wird, dann gilt dei­ne Fir­ma als Betrei­be­rIn­nen.

Betrei­be­rIn­nen und Nut­ze­rIn­nen kön­nen in begrenz­ter Wei­se auch Sys­tem­vor­ga­ben und Ver­ar­bei­tungs­stra­te­gien defi­nie­ren oder kon­fi­gu­rie­ren. Das Kon­text­fens­ter hat aber eine wich­ti­ge zu beach­ten­de Eigen­schaft wie Grö­ße. Die Grö­ße des Kon­text­fens­ters ist begrenzt.

Die Grö­ße der Ein­ga­be, die ein Modell mit einer Anfra­ge auf­neh­men und ver­ar­bei­ten kann, ist limi­tiert. Und das hat Kon­se­quen­zen. Wenn es voll ist und über­läuft, dann wer­den Infor­ma­tio­nen abge­schnit­ten. Das Kon­text­fens­ter wird kom­pri­miert. Das heißt, fak­tisch gelan­gen nicht mehr alle Infor­ma­tio­nen mit in die Abfra­ge.

Ent­spre­chend kann sich die Qua­li­tät der Ant­wor­ten ändern. Die Ergeb­nis­se füh­len sich dann ober­fläch­li­cher an oder als hät­te das Sys­tem etwas ver­ges­sen oder nicht rich­tig ver­stan­den. Da der gesam­te Chat­ver­lauf Teil des Kon­text­fens­ters wird, ist es also nur eine Fra­ge der Zeit.

Dabei wer­den dann nicht alle Tei­le des Kon­text­fens­ters in glei­cher Wei­se gekürzt. Gekürzt wird vor allem bei den von den Benut­ze­rIn­nen stam­men­den Infor­ma­tio­nen. Des­we­gen ist es oft hilf­reich, die eige­ne Arbeit in einen neu­en Chat mit einem lee­ren Kon­text­fens­ter zu über­tra­gen, wenn man schon eine Wei­le gear­bei­tet hat.

Die­se Eigen­schaft des Kon­text­fens­ters ist vor allem auch für die hoch­ge­la­de­nen benut­zungs­spe­zi­fi­schen Daten rele­vant. Wenn ich gro­ße oder vie­le Doku­men­te hoch­la­de, wird das Kon­text­fens­ter schon allei­ne dadurch schnell voll. Des­we­gen wer­den gar nicht alle hoch­ge­la­de­nen, vor­de­fi­nier­ten oder gemerk­ten Daten in das Kon­text­fens­ter gela­den.

Statt­des­sen wer­den die Doku­men­te vor­ab ana­ly­siert, in Bedeu­tungs­ein­hei­ten zer­legt und in spe­zi­el­len Daten­ban­ken als Bedeu­tungs­vek­to­ren gespei­chert. Zusam­men mit einer Ein­ga­be wer­den dann gar nicht alle Daten mit hoch­ge­la­den, son­dern es wer­den über mathe­ma­ti­sche Ver­fah­ren zunächst die vor­aus­sicht­lich wirk­lich bedeut­sa­men Abschnit­te in die­sen Doku­men­ten ver­wen­det und nur die­se dann mit in das Kon­text­fens­ter über­tra­gen. Über sol­che Ver­fah­ren ist es mög­lich, auch Daten­men­gen, die die Grö­ße des Kon­text­fens­ters um ein Viel­fa­ches über­stei­gen, sinn­voll in Anfra­gen zu berück­sich­ti­gen. Hier ein­fach mal ein Aus­schnitt aus dem KI-Sys­tem Clau­de Code, in dem man sehen kann, für wel­che Zwe­cke wie viel des Kon­text­fens­ters genutzt wird.

Mit der Nut­zung eines Sprach­mo­dells in der bis­lang beschrie­be­nen Form las­sen sich vie­le anspruchs­vol­le und kom­ple­xe Auf­ga­ben nicht ange­mes­sen bear­bei­ten. Des­we­gen arbei­ten die meis­ten Sys­te­me mit ver­schie­de­nen Erwei­te­run­gen, unter ande­rem mit Unter­agen­ten. Hier­bei wird eine Ein­ga­be bei­spiels­wei­se zuerst ana­ly­siert und in Teil­auf­ga­ben zer­legt, die dann an Unter­agen­ten dele­giert wer­den und hin­ter­her wie­der zusam­men­ge­führt wer­den. Dies wird auch Orches­trie­rung genannt. Auch die auto­ma­ti­sche Ver­ar­bei­tung über vie­le ver­schie­de­ne Schrit­te wird mög­lich.

Oft bekom­men wir als Anwen­den­de davon wenig mit. Im Prin­zip arbei­tet dabei jeder Unter­agent wie­der in der glei­chen Wei­se, wie es unser Bild hier zeigt, also mit eige­nen Kon­text­fens­ter und so wei­ter. Nur, dass die Ein­ga­ben nicht von einem Men­schen stam­men, son­dern von einem ande­ren Modell und dass die Ergeb­nis­se auch nicht an einen Men­schen zurück­lie­fern, das auf­ru­fen­de Modell.

Dabei gibt es auch Mög­lich­kei­ten, eine Kopie des bestehen­den Kon­text­fens­ters mit­zu­ge­ben, damit der bis­he­ri­ge Kon­text genutzt wer­den kann, ohne aber das über­ge­ord­ne­te Kon­text­fens­ter dann zu belas­ten.

Ande­re Sys­tem­er­wei­te­run­gen sind Kon­nek­tu­ren, also Werk­zeug­auf­ru­fe über exter­ne Schnitt­stel­len. Bei­spiels­wei­se, um ins Inter­net zu gehen, um auf Ver­zeich­nis­se und Datei­en auf einem PC oder Ser­ver zugrei­fen zu kön­nen, ein E‑Mail-Cli­ent zu steu­ern und so wei­ter.

Dabei wer­den natür­lich ver­schie­de­ne Sicher­heits­aspek­te rele­vant. Zum einen haben die Anbie­te­rIn­nen Sicher­heits- und Fil­ter­funk­tio­nen vor ihre Model­le gesetzt, um bei­spiels­wei­se ver­bo­te­ne Inhal­te und Auf­trä­ge abzu­fan­gen. Zum ande­ren sind ent­spre­chen­de Berech­ti­gun­gen an den Schnitt­stel­len not­wen­dig.

Aber auch die Betrei­be­rIn­nen, also die KI-nut­zen­den Orga­ni­sa­tio­nen und Per­so­nen, brau­chen bei­spiels­wei­se, um per­so­nen­be­zo­ge­ne oder ande­re schüt­zens­wer­te Daten zu anony­mi­sie­ren, damit die die eige­ne Orga­ni­sa­ti­on nicht ver­las­sen und nicht auf frem­den Ser­vern lan­den.

Noch siche­rer ist es, Model­le selbst­kon­trol­liert zu hos­ten. Aber das ist ein The­ma, was ich hier nicht mehr behand­le.

So, damit habe ich alle wich­ti­gen Ele­men­te erklärt. Sehr kom­pakt in einem Bild. Wenn du mehr erfah­ren möch­test oder aus­führ­li­che Tex­te dazu lesen möch­test, besu­che unse­ren Blog oder Buch­in­fos auf unse­rer Home­page kollegiale-führung.de.

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